Politische Tiergespräche

#4: Gemeinsam gegen die Tierindustrie (Bündnisvorstellung)

Am Samstag, den 4. Juli, besetzten 30 Aktivist*innen vom Bündnis Gemeinsam gegen die Tierindustrie das Dach des umstrittenen Tönnies-Schlachthofs in Rheda-Wiedenbrück sowie dessen Hauptzufahrtsstraße. Sie forderten eine dauerhafte Schließung der Schlachtfabrik und die Abschaffung der Tierindustrie. Bei unseren vierten Politischen Tiergesprächen sprechen wir mit zwei der Aktivist*innen über das Bündnis und dessen Arbeit, über die Besetzung und über weitere Forderungen, Ziele und Vorhaben.

Vom Gespräch gibt es auch einen Videomitschnitt, den ihr euch alternativ zum Podcast anschauen könnt.

#3: Tierbefreiung im Kontext der Corona-Pandemie (Bündnisvorstellung & Forderungskatalog)

Am 8. Juni 2020 veröffentlichte das neu gegründete Bündnis für gesellschaftliche Tierbefreiung einen Forderungskatalog im Kontext der Corona-Pandemie. Am Samstag, den 13. Juni 2020, fand zudem ein Aktionstag statt, der ein Zeichen setzen soll – ein Zeichen gegen die hemmungslose Ausbeutung von Tieren, Arbeiter*innen in der Tierindustrie und der Natur im Namen des Profits. Die Forderungen sind hier zu finden. Um das Bündnis und seine Forderungen bekannter zu machen, stellten sich beide am 13. Juni 2020 in unserer – dieses Mal online stattfindenden – Veranstaltungsreihe Politische Tiergespräche vor. Die Politischen Tiergespräche wurden 2019 ins Leben gerufen, um am Ende eines jeden Quartals (aktuelle) Tier*fragen in einen politischen Kontext zu setzen und zu diskutieren.

Hinweise: Für uns war es die erste Online-Veranstaltung, die wir selbst organisiert haben. Eventuelle Holprigkeiten bitten wir zu entschuldigen. Leider fällt beim Hören auf, dass die Redeanteile leider ungleich verteilt. Dies hängt vor allem mit technischen Problemen zusammen, die Patricia leider wiederholt vom Gespräch abgeschnitten haben. Zum Podcast im Podcast-Player mit weiteren Optionen gelangt ihr auch hier.

#2: Ghandi & Herrschaftsfreiheit (Buchvorstellung)

Buchvorstellung & Diskussion mit Lou Marin (Verlag Graswurzelrevolution) – leider momentan keine Audiodatei verfügbar

Zum Inhalt: Gandhi dürfte zu den bekanntesten Figuren des zivilen Ungehorsams in der Geschichte zählen. Weniger bekannt sind seine tiefergehenden Ansichten zu einer herrschaftsfrei organisierten Gesellschaft. Auch sein Vegetarismus – viel besprochen, jedoch wenig tiefgehend – war Teil der Veranstaltung.

Zum Buch: Der Name Mohandas Karamchand Gandhi (1869-1948) und dessen gewaltfrei-revolutionäre Massenkampagnen in Indien gegen den britischen Kolonialismus bilden noch immer eine weltweite Inspirationsquelle und einen emanzipatorischen Gegenpol zu gewaltverherrlichenden und kriegstreiberischen Tendenzen. Doch gleich von mehreren Seiten wird an der Legitimität dieses Gegenbeispiels gerüttelt: Gandhi sei angeblich „Rassist“ oder „Verteidiger des Kastensystems“ gewesen. Eine Rezeption von Gandhis herrschafts-, staats- und gewaltkritischen Positionen durch sozialrevolutionäre Bewegungen auf weltweiter Ebene wird durch diese Vorwürfe erschwert. Im Buch werden staatskritische und pro-anarchistische Stellungnahmen Gandhis in Texten aus drei Jahrzehnten dokumentiert. Auf der Basis dieser inhaltlichen Grundlage wird auf die genannten Vorwürfe eingegangen und mit einer Darstellung der Entwicklung und Radikalisierung von Gandhis Positionen, begonnen im Kollektiv mit jüdischen Gewaltfreien bereits in Südafrika ab 1908, ganz besonders aber während drei Jahrzehnten anti-kolonialen Kampfes in Indien entgegnet. Abschließend wird anhand der aktuellen sozialen Bewegung für Landrechte am Beispiel von Ekta Parishad gezeigt, dass sich diese auf den Salzmarsch Gandhis bezieht und die gewaltfrei-libertäre Tradition noch immer relevant für die Kämpfe von unten im heutigen Indien ist.

Lou Marin/Horst Blume (2019): Gandhi – „Ich selbst bin Anarchist, aber von einer anderen Art”. Verlag Graswurzelrevolution, Heidelberg, ISBN: 978-3-93904-538-0.

#1: Tierliche Agency (Vortrag)

Vortrag & Diskussion mit Markus Kurth (Chimaira AK | Arbeitskreis für Human-Animal Studies) – leider keine Audiodatei verfügbar (stattdessen können wir euch den Videomitschnitt eines ähnliches Vortrags von Markus Kurth im Rahmen der Ausstellung “ANIMAL UTOPIA, Malerei von Hartmut Kiewert” vom 26.01.2020 in Leipzig sehr empfehlen)

Zum Inhalt: Cat Content im Netz zeigt uns altkluge Katzen-Philosophinnen und Herrchen wie Frauchen erzählen genauso gern auf der Straße wie der Superstar-Hundetrainer in den großen Hallen von den Fähigkeiten, Absichten und Angewohnheiten ‚ihrer‘ Haustiere und warum das irgendwie wichtig sei. Während aber Haustiere liebend gern vermenschlicht werden, gilt das für Nutztiere nicht. Selbst Tierrechtler_innen wollen „Voice for the Voiceless“ sein und als maskierte Befreier_innen „zurückschlagen“ für die, denen neben dem eigenmächtigen Handeln so ziemlich alles außer Leiden und Opferstatus abgesprochen wird. Tatsächlich ist die Frage, was Tiere können, was sie wollen und wie wir Menschen damit umgehen sollen, ganz und gar nicht trivial und wissenschaftlich wie politisch hoch umstritten. Umso spannender, mal einen kleinen Ausflug in die Welt der Projektionen und Pauschalisierungen zu machen. An anschaulichen Beispielen wird darüber zu reden sein, was Begriffe wie Herrschaft, Widerstand und Autonomie in Bezug auf Tiere aussagen können und wie gerechtere Mensch-Tier-Beziehungen aussehen können, in denen sich jenseits von Identitäts- und Stellvertreter_innen-Politik mit den Spielräumen tierlicher Handlungsfähigkeit auseinandergesetzt wird.