Weber, Ernst von

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Ernst von Weber (1883). Bildquelle: Wikimedia / F. Riemschneider (https://bit.ly/31NjqSa)

Kurzbiografie

Ernst von Weber wurde am 07. Februar 1830 in Dresden geboren. Er war Sohn des Kirchenrechtlers und Präsidenten des evangelischen Landesconsistorium Sachsens, Karl Gottlieb von Weber. E. v. W. studierte an der Bergakademie im sächsischen Freiberg und an der Universität Berlin. Den Schwerpunkt seiner Studien legte E. v. W. auf den Bereich Landwirtschaft. Nach dem Studium bewirtschaftete er ein Rittergut in Zöschau in der Nähe von Oschatz (Sachsen). Ab 1851 ging E. v. W. auf mehrere Reisen durch Südeuropa, Vorderasien, Nordafrika und Nordamerika. In den Jahren zwischen 1871 und 1875 hielt sich E. v. W. in Südafrika auf. Seine Erinnerungen an diese Zeit veröffentlichte er 1878 im Buch „Vier Jahre in Afrika“. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland forderte E. v. W. die Einrichtung deutscher Kolonien auf dem afrikanischen Kontinent. Seine Vorstellungen über den Aufbau einer deutschen Kolonialherrschaft verbreitete er in Schriften und Vorträgen. Der Regierung des Deutschen Reiches machte er den Vorschlag, eine Region in Südafrika als Kolonie zu übernehmen. Obwohl dieser Vorschlag abgelehnt wurde, war E. v. W. ein geistiger Vorreiter der deutschen Kolonialherrschaft. 1886 beteiligte er sich im Rahmen seines Engagements für den Kolonialismus am Kolonialkongress in Berlin. Im gleichen Jahr gründete er den „Südafrikanischen Verein“. Dieser Verein machte es sich zur Aufgabe, deutsche Siedler*innen in Südafrika finanziell und ideell zu unterstützen. Außerdem war er in den 1890er Jahren Ehrenmitglied der „Gesellschaft für deutsche Kolonisation“. Neben seinem Interesse an Kolonien beschäftigte sich E. v. W. auch mit der sogenannten Theosophie. 1885/86 reiste er nach Indien. In Madras nahm er als Abgeordneter beim internationalen Theosophie-Kongress teil. 1888 heiratete er Hilma Christina Wal. Am 04. Januar 1902 starb E. v. W. im Alter von 71 Jahren in Rom. Sein Grab befindet sich auf dem Trinitatisfriedhof in Dresden.

Engagement in der Tierschutzbewegung

E. v. W. engagierte sich, vor allem im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, in der Tierschutzbewegung des Deutschen Kaiserreichs. Er war ein Vertreter der Antivivisektionistinnen, einer Gruppe innerhalb der Tierschutzbewegung, die Versuche an lebenden Tieren (Vivisektion) radikal ablehnte. 1878 hielt E. v. W. einen Vortrag zum Thema der Vivisektion vor Vertreterinnen des (Alten) Tierschutzvereins Dresden. Mit seiner radikalen Ablehnung von Tierversuchen provozierte er eine vereinsinterne Diskussion. Auf dem Tierschutzkongress in Gotha (1879) versuchte E. v. W., die deutsche Tierschutzbewegung insgesamt zu einer radikalen Ablehnung der Vivisektion zu bewegen. Seine Bemühungen scheiterten sowohl auf regionaler (Dresden) als auch auf überregionaler Ebene (Deutschland). Jedoch stellte E. v. W. seine Aktivitäten nicht ein. Scheinbar gründete er bereits auf dem Tierschutzkongress in Gotha mit Gleichgesinnten den „Internationalen Verein zur Bekämpfung der wissenschaftlichen Thierfolter (Vivisection)“ (im Folgenden „Internationaler Verein“). Dieser Verein wuchs in einem kurzen Zeitraum (März 1880 bis Anfang 1881) von 565 auf über 6000 Mitglieder. Außerdem veröffentlichte E. v. W. 1879, aufbauend auf seinen Vorträgen zu Tierversuchen, das Werk „Die Folterkammern der Wissenschaft“. Sowohl der „Internationale Verein“ als auch „Die Folterkammern der Wissenschaft“ wurden anschließend zu zentralen Instanzen innerhalb der deutschen Antivivisektionsbewegung. Die breite Wahrnehmung des „Internationalen Verein“ beruhte neben den Verbindungen in die sogenannte „Naturheilkundebewegung“ auch auf der Unterstützung durch bekannte Personen, wie beispielsweise Marie Espérance von Schwartz (Schriftstellerin), Ernst Grysanowski (Chirurg, Philosoph) oder Richard Wagner (Komponist). E. v. W. arbeitete weiterhin auf lokaler Ebene in Dresden, um seine Tierschutzpositionen zu verbreiten. Er gründete gemeinsam mit anderen Tierversuchsgegner*innen im Jahr 1881 den „Neuen Tierschutz Verein“ in Dresden. Für die historische Tierbewegung in Deutschland waren die Aktivitäten von E. v. W. bedeutend, da er in seinen Publikationen die Macht der Bilder nutzte, um seine Argumente gegen Tierversuche zu verstärken.

Grab von E. v. W., Trinitatisfriedhof, Dresden. Bildquelle: Wikimedia / Stephencdickson (https://bit.ly/3IDmPEg)

Werke:

  • Weber, Ernst von (1878): Vier Jahre in Afrika: 1871-1875; Mit Abbildungen in Holzschnitt, einem Plan und einer Karte – Erster Theil. Leipzig.
  • Weber, Ernst von (1878): Vier Jahre in Afrika: 1871-1875; Mit Abbildungen in Holzschnitt, einem Plan und einer Karte – Zweiter Theil. Leipzig.
  • Weber, Ernst von (1879): Die Erweiterung des deutschen Wirthschaftsgebiets und die Grundlegung zu ĂĽberseeischen deutschen Staaten; ein dringendes Gebot unserer wirthschaftlichen Nothlage. Leipzig.
  • Weber, Ernst von (1879): Die Folterkammern der Wissenschaft – Eine Sammlung von Thatsachen fĂĽr das Laien-Publikum. Berlin, Leipzig.
  • Weber, Ernst von (1881): Der Unabhängigkeitskampf der niederdeutschen Bauern in SĂĽd-Afrika (Vortrag). Berlin.

Verwendete Literatur:

  • Eitler, Pascal (2009): Ambivalente Urbanimalität – Tierversuche in der GroĂźstadt (Deutschland 1879–1914). Informationen zur modernen Stadtgeschichte 40(2): S. 80–93.
  • Roscher, Mieke (2019): Geschichte des Tierschutzes – Von der Aufklärung bis zur veganen Revolution. In: Diehl, Elke; Tuider, Jens (Hrsg.): Haben Tiere Rechte? Aspekte und Dimensionen der Mensch-Tier-Beziehung. Bundeszentrale fĂĽr politische Bildung: S. 39–52.
  • Zerbel, Miriam (1993): Tierschutz im Kaiserreich – Ein Beitrag zur Geschichte des Vereinswesens. Peter Lang Verlag.
  • Zimmermann, Tom (2020): „Die Kenntnis der Geschichte des Tierschutzes bewährt sich hilfreich und förderlich in der tatsächlichen Ausbildung desselben“ – Die historische Tierbewegung in Dresden zwischen 1838 und 1945. Zeitschrift fĂĽr Kritische Tierstudien 03: S. 115–143.

WeiterfĂĽhrende Literatur:

  • Brettschneider, Hubert (1962): Der Streit um die Vivisektion im 19. Jahrhundert. Gustav Fischer Verlag.